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Glossar


ARMLEHNE
Mit der Integration von Armlehnen überschritten wir nach der Stapelbarkeit die zweite Schwelle in den Objektbereich. Wie schon bei der Sitzneigung gelang uns hier ein Zufallstreffer, denn wir gestalteten eine Armlehne, die als eine ebene Fläche bis zur Vorderkante der Sitzfläche läuft, so dass man sich beim Aufstehen gut darauf abstützen kann. Spätestens damit eigneten sich unseren Flankenschnittstühle hervorragend für den Pflegebereich.

BERUF
Was ist unser Beruf? Schindler und Salmerón haben beide Architektur studiert; wir entwerfen unsere Produkte selbst und vertreiben sie unter unserem eigenen Namen, stellen sie aber nicht selbst her. Sind wir dann Architekten, Produktdesigner oder Möbelhersteller? Eine Mischung davon? Poul Kjærholm hat für sich den hybriden Begriff ,møbelarkitekt‘ beansprucht. Oder gar keinen? Reinhold Messner formuliert in Werner Herzogs ‚Gasherbrum – Der leuchtende Berg‘: "Ich bin heute sehr froh, dass ich keinen Beruf habe – ich glaube, dass ein Beruf das Ende jeder schöpferischen Tätigkeit ist."

CUSTOM MADE
Mit unseren Serienprodukten können wir einen grossen Bereich abdecken. Doch manchmal fehlt in einem Projekt ein Objekt, das wir nicht im Sortiment haben. Die auftragsbezogene Produktentwicklung eines voll funktionsfähigen Möbels ist unsere Kür. Manchmal aber sind wir unsere eigenen Auftraggeber für Custom Objekte und entwickeln sie aus reiner Freude am Experiment.

ETH ZÜRICH
Um die Jahrtausendwende waren Computer so weit entwickelt und verbreitet, dass man über ihre Bedeutung für die Fertigung im Bauwesen nachdenken konnte. Christoph Schindler hatte das Glück, an der ETH Zürich an Ludger Hovestadts Professur für CAAD involviert zu sein, die zu diesem Zeitpunkt Pionierarbeit in der Digitalen Fabrikation leistete. Dort entdeckte er 2001 am Institut für Verfahrenstechnik im Technopark Zürich eine industrielle Laserschneidemaschine, die er nutzen durfte. Auf dieser Maschine entstanden bald die ersten Kleiderleisten K/01, zunächst nur für das Sekretariat der Professur für CAAD, bald für andere Assistierende und in sehr kleinen Schritten entwickelte sich daraus schindlersalmerón.

FAMILIENUNTERNEHMEN
schindlersalmerón sind ein inhabergeführtes Familienunternehmen. Margarita Salmerón und Christoph Schindler organisieren gemeinsam Firma und Familie, ohne externe Geldgeber und Aufsichtsrat. Die Familie ist der Kern unserer Firma. Im Vordergrund stehen für uns die Interessen und Tätigkeiten, wegen denen wir vor zwanzig Jahren diesen Weg gewählt hatten. Oft sind wir zu zweit, wir waren auch schon zu fünft, aber wir denken nicht, dass das Grössere das Bessere ist. Wir glauben an Suffizienz, nicht an Wachstum.

FLANKENSCHNITT
An der ETH Zürich stiessen wir auf das sogenannte ‘Flankenschnitt-Fräsen‘. Üblicherweise kam in  der Möbelherstellung das universelle ,Kugelkopffräsen‘ zur Anwendung, bei dem nur mit der Werkzeugspitze Material abgetragen wird. Uns fiel auf, dass man wesentlich mehr Material abtragen könne, wenn man mit der Seite, also der Flanke des Werkzeugs arbeitet: daher der Name ,Flankenschnitt‘. Mit dieser Strategie ist man jedoch auf Flächen beschränkt, die sich über das Bewegen einer Linie im Raum definieren, sogenannte ,Regelflächen‘. Das war keine Erfindung, aber uns waren zu dieser Zeit keine Anwendungen in Design und Architektur bekannt. Aus diesem Fertigungsverfahren entstand der erste Flankenschnitt-Stuhl.

LOGO
Katalog, Webseite und Visitenkarten von schindlersalmerón sind mit einem zufälligen Streifenmuster aus rot, gelb, schwarz, gold und weiss überzogen. Damit bringen wir unseren vielfältigen Hintergrund zum Ausdruck, denn es handelt sich um eine Mischung der deutschen, schweizerischen und spanischen Landesfarben. Inspiriert sind wir dabei über die Grafikerin Aline Ozkan vom ,Image of Europe‘ des Rotterdamer Architekturbüros OMA/AMOs. Im Umfeld eines anderen Rotterdamer Architekturbüros, MVRDV, hatten sich Salmerón und Schindler 1998 kennengelernt. Das offene niederländische Denken prägt uns bis heute. Die Grafik der Publikationen von MVRDV gestaltete damals Paul Ouwerkerk. Seit wir ihn vor Jahren zufällig in Zürich trafen, ist er für unsere Webseite und unseren Katalog verantwortlich.   

LOKALE PRODUKTION
schindlersalmerón ist Mitglied der ,Made in Zürich’ Initiative. Lokale Produktion ist ein grosses Thema für uns, doch aus der Stadt Zürich selbst kommen bestenfalls unsere Prototypen und vom Uetliberg die Astgabeln für die Asthocker. Unser nächster wichtiger Produktionspartner ist seit zwanzig Jahren ein vierzehn Kilometer entfernter, Blech verarbeitender Betrieb am Zürcher Flughafen. Die gesamte Metallverarbeitung findet in der Schweiz statt. Das Holz kaufen wir in den Alpenländern ein und bearbeiten es auch dort: Die Tische in Österreich im Bregenzerwald (140 Kilometer von Zürich), die Stühle in Italien bei den Spezialisten im Friaul (650 Kilometer).

MØBELARKITEKTUR
Seit dem 18. Jahrhundert sind Architekten dafür bekannt, Möbel und andere Einrichtungsgegenstände in ihre architektonischen Entwürfe einzubeziehen. Es gibt verschiedene Haltungen, aus denen Architekten ihre Zeit dem Möbeldesign widmen. Zwei seien hier genannt: ,Die Kunst des Fügens‘ spielt eine wichtige Rolle in der dänischen Perspektive, die dafür den spezifisch dänischen Begriff ,Møbelarkitektur“ geprägt hat. Nicolai de Gier und Stine Liv Buur beschäftigen sich in ihrer Analyse der Tektonik von Stühlen mit ,articulation of construction‘: "Tectonic finishing, then, is the aesthetic surplus value that an artistically guided approach to the solution of a joint conveysto the chair". Eine andere Haltung, die ,Union of the Arts‘ wird in der Arts-and-Crafts-Bewegung zum Credo. Zu ihren Interpreten zählen nicht nur William Morris, sondern später auch der junge Frank Lloyd Wright, Charles Rennie Mackintosh, Rudolf Maria Schindler und auch Walter Gropius im ersten Bauhaus Manifest.  Die Idee, Möbel in Beziehung zur Architektur zu setzen, wurde auch von Möbeldesignern aufgegriffen. Es ist bekannt, dass Poul Kjærholm die Bezeichnung Møbelarkitekt dem Designer vorzog. Laut Michael Sheridan sei das auffälligste Merkmal seiner Arbeit, "that every single item of furniture engages in an intense dialogue with the space around it".

NAMING
Wie sollen die Produkte heissen? Michael Thonet begründete die Tradition der Nummerierung der Entwürfe, von denen uns vor allem die Nr. 18 bekannt ist. Charles und Ray Eames arbeiteten mit kryptischen Abkürzungen, etwa innerhalb der Familie der Plastic Armchairs die Variationen DAR, DAW, DAX, RAR, DSR, DSW. Wir versuchen es mit einer Kombination aus Buchstaben und Zahlen. Der Buchstabe gibt die Familie an, die Zahl die Variation: 1 heisst nicht stapelbar, 2 Stapelbarkeit, 5 sind die Armlehnen, 8 die lange Rückenlehne… Die Zahlen dazwischen sind von Tischen belegt.

HALTBARKEIT
Alle schindlersalmerón-Entwürfe wurden vom Test- und Zertifikatsinstitut CATAS auf Festigkeit und Dauerhaltbarkeit geprüft. Damit wir für den Objektbereich sicher sind, wählen wir jeweils die höchste Prüfstufe mit 200,000 Zyklen, deren Anforderungen sich an Nachtklubs, Polizeistationen, Verkehrszentren, öffentlichen Bereichen im Krankenhaus, Casinos, Altersheimen, Umkleideräumen in Sporthallen, Gefängnissen und Kasernen orientiert. Unsere Erfahrung hat uns jedoch gezeigt, dass Tests nicht alle Anwendungen im tatsächlichen Leben abdecken können und das man einen Stuhl eigentlich nur in der Praxis wirklich testen kann. Daher lernen wir aus Ergebnissen, um unsere Entwürfe Schritt für Schritt verbessern zu können – und profitieren von unserer beruflichen Doppelrolle von Designer und Hersteller.

SERIELLE UNIKATE
Die Wurzeln von schindlersalmerón liegen an einer Laserschneidemaschine der ETH Zürich – und im Konzept der Mass Customization, das wir in Frank Pillers gleichnamigem Buch kennengelernt hatten. Die Kleiderleisten, die wir an der Laserschneidemaschine schnitten, sind Garderoben, die in Länge und Muster an Kundenbedürfnisse angepasst werden konnten, ohne dass daraus ein Mehraufwand entsteht: sie sind gleichermassen mass produced und customized. Wir lernten aber auch, dass es gar nicht einfach ist, Kundenbedürfnisse in ein computergestütztes Auswahlverfahren zu übertragen – bei der ZipShape war die technische Herausforderung so gross, dass wir die Bedürfnisse aus den Augen verloren. Mit dem Begriff ,Serielle Unikate’ übertrugen wir das wirtschaftliche Prinzip der Mass Customization ins Deutsche.

SITZNEIGUNG
Bei unserem ersten Stuhlentwurf vor bald zwei Jahrzehnten orientierten wir uns an Drew Langsers Chairmaker’s Workshop, einem DIY-Buch für den Stuhlbau. Langsers Faustregel für den Stuhlentwurf schlug eine Sitzneigung von 0 bis 2° vor. Uns gefiel bei der Entwicklung des Flankenschnitt-Stuhls die Vorstellung eines 90°-Winkels zwischen Vorderbein und Zarge, so dass wir uns für die 0°-Sitzneigung entschieden. Auf einem Stuhl ohne Neigung kann man zwar beim Anlehnen leicht nach vorne rutschen, aber gleichzeitig erleichert die ebene Sitzfläche das Aufstehen. Erst Jahre wurde uns bewusst, dass dies absolut unüblich war, wir uns aber einen Unique Selling Point geschaffen hatten, zum Beispiel für den Pflegebereich.

STAPELBARKEIT
Stapelbarkeit von Stühlen ist im Objektbereich oft gefordert, obwohl sie in der Praxis nicht immer angewandt wird. Die Abwandlung des F/01 zum stapelbaren F/02 hat uns den Weg in den Objektbereich geebnet wie auch das Naming unserer Firma etabliert.

STOLPERSICHERHEIT
Da die Hinterbeine nicht über den äussersten Punkt der Rückenlehne hinausragen, ist die Stolpergefahr gering. Das gilt für alle schindlersalmerón-Stühle und war schon mehrfach bei einer Bemusterung ein entscheidendes Kriterium.

UNIQUE SELLING POINTS
Beim Flankenschnittstuhl haben wir mit der Sitzneigung wie auch mit der Stolpersicherheit ungewollt zwei Alleinstellungsmerkmale abdecken können. Im Geschäftsmodell fanden  wir das Alleinstellungsmerkmal in der Verkaufs-Ethik: Auch bei grossen Aufträgen im Objektbereich arbeiten wir stets mit unseren Vertriebspartnern und erstellen keine Direktofferten. Über diese werden unsere Produkte im direkten Vergleich zu Produkten anderer Anbieter angeboten, so dass der Kunde eine neutrale und kompetente Beratung erhält.

ZERTIFIZIERUNG
Alle unsere Stühle sind über unsere Produktionspartner mit den Labels PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) und FSC (Forest Stewartship Council) zertifiert, die beide eine ökonomische, ökologische und soziale Waldbewirtschaftung sicherstellen.

ZIPSHAPE
ZipShape ist unser Ausflug in die Forschung: Ab 2007 mit Partnern in der Wirtschaft und der Hochschullandschaft entwickelt, verhalf es uns zu verschiedenen Auszeichnungen, zahlreichen Einladungen zu Vorträgen und Teilnahmen an Ausstellungen. ZipShape ist eine universelle Methode für Serielle Unikate, mit der ebene Platten einfach gekrümmt werden können. Ein Formstück besteht dabei aus zwei Platten, die so gezinkt werden, dass sie nur in der gewünschten Krümmung zusammenpassen – wie ein gekrümmter Reissverschluss, daher der Name. Dadurch kann beim Verleimen der Platten auf den Einsatz von Formlehren verzichtet werden. ZipShape basiert auf der elastischen Kaltverformung des Holzes, verhindert aber ein Rückfedern durch gegenseitige Verschränkung der Bauteile. Wir erreichten Radien bis minimal etwa einem fünffachen der Materialstärke. Die Planungsschritte zwischen Krümmungsdefinition und Abwicklung der beiden Platten sind mit parametrischer Software automatisiert. Es gelang uns, die Methode bis zum Prototypen zu entwickeln, aber eine Serie konnten wir nie etablieren. ZipShape war lange unser bekanntestes Produkt, obwohl wir nicht ein Stück verkauft haben. Der ZipRocker bleibt ein Highlight in unserem Atelier.

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